Psychologische Beweisführung vor Gericht

 

Viele Gerichtsprozesse werden weniger über das jeweilige materielle Recht, als vielmehr über die verbale (Fragetechniken, Plädoyer, Rechtsgespräch etc.) und schriftliche Präsentation (Beweisanträge, bestimmende Schriftsätze, Einlassungen etc.) von Tatsachen durch die Verfahrensbeteiligten entschieden. Und dies unabhängig davon, ob der Rechtsanwalt einen Verkehrsunfall, einen arbeitsgerichtlichen oder familiengerichtlichen Fall bearbeitet.

 

Denn in allen Verfahrensarten treffen Richter und andere Verfahrensbeteiligte ihre Entscheidungen mitunter anhand von Vorurteilen, irrationalen Überlegungen oder unter Verwendung sog. Heuristiken. An diesen Überlegungen orientieren sich die Inhalte des Seminars Psychologische Beweisführung vor Gericht. Das Seminar ist praxisorientiert für alle beweisrechtlich-forensisch tätigen Rechtsanwälte ausgestaltet.

 

In einem allgemeinen Teil werden unter anderem die Unterscheidung zwischen Annäherungs- und Vermeidungsverhalten, Unsicherheits- und Risikoentscheidungen sowie Wahrscheinlichkeitsurteile in Gerichtsprozessen erörtert.

 

Im besonderen Teil des Seminars wird mithilfe von Fällen, die zum Teil aus der Praxis des Referenten stammen, die Erkenntnisse aus dem allgemeinen Teil anschaulich vermittelt. Die Fälle haben folgende Inhalte:

 

Fall 1: Der Kemnitz-Skandal

Defensives Entscheiden, Retrospektive Verzerrung, Testverfahren, Umkehrung bedingter Wahrscheinlichkeiten, natürliche Häufigkeiten

 

Fall 2: Bandenhehlerei

Indizien im Strafprozess, Beweiskette und Beweisring, Kombination von Beweistatsachen, Korrelation und Kausalität, Multiplikation von Wahrscheinlichkeiten

 

Fall 3: Beton auf der Windschutzscheibe

Singuläre Ereignisse, ex ante- und ex post-Wahrscheinlichkeiten, Selbstüberschätzung

 

Fall 4: Körperverletzung durch Pferd

Extrinsisch und intrinsisch motivierte Verfahrensbeteiligte, Stressabwehr und Selbstregulation, Dilemmata

 

Fall 5: Der O.J. Simpson-Mordfall

Framing-Techniken, Heuristische Manipulationen, Rapport herstellen, Aussagecompliance erreichen

 

Fall 6: Der Prozessanwalt im Kreuzfeuer

Verteidigung des Fragerechts, Angriffe auf die Person abwehren, modus tollens, modus ponens

 

Fall 7: Der Sachverständige im Sitzungssaal

Wahrscheinlichkeitsurteile, Trugschluss des Anklägers, Urhebertrugschluss, Randomn match probability (RMP), der DNA-Beweis in der Rechtsprechung des BGH

 

Die Teilnehmer erhalten ein ausführliches 140-seitiges Skript mit

Auszügen aus den jeweiligen Beispielsverfahren mit vertiefender Darstellung der behandelten Themen, weiterführender Literatur sowie praktischen Tipps wie zum Beispiel Formulierungsempfehlungen für die eigene tägliche Arbeit.